Sonntag, 26. April 2009

GWUP-Konferenz 2009: Interview mit Amardeo Sarma, Vorstand der Berufs-„Skeptiker“

Ende Mai findet im Hamburger Völkerkundemuseum die GWUP-Konferenz 2009 unter dem Motto „Wissenschaft unter Beschuss“ statt. Vereins-Vorstand Amardeo Sarma erläuterte im Gespräch mit GWUP.WATCH, worum es in seinem zentralen Vortrag „Beweisnot - Warum Parapsychologen und Alternativmediziner neue Regeln fordern“ geht. Dieses Interview ist fiktiv. Es hat so nie stattgefunden und ist als Satire zu verstehen.



Herr Sarma, Sie haben im Mai 2008 Prof. Dr. med. Stefan Willich vom Universitätsklinikum der Berliner Charité indirekt unterstellte, er würde Studienergebnisse manipulieren (1). Es gibt von Ihnen bisher kein schriftliches Dokument, in dem Sie Ihre Unterstellungen stichhaltig belegen. Holen Sie das auf der GWUP-Konferenz 2009 endlich nach?

Amardeo Sarma: Sie übertreiben. Hätte mich jemand gefragt, so hätte ich ihm meine Pressemeldung (2) sehr wohl erläutert. Für die Nachricht hat sich allerdings in den letzten 11 Monaten ohnehin fast kein Medium interessiert.

Warum haben Sie Ihre Unterstellungen nicht in einer wissenschaftlichen Arbeit detailliert erläutert und bei einem Wissenschaftsverlag publiziert?

Amardeo Sarma: Nun, die Pressemeldung wurde absichtlich etwas zugespitzt, um den Ansprüchen des Mediengeschäfts gerecht zu werden. Bei so delikaten Auseinandersetzungen hat es Vorteile, wenn man möglichst wenig schriftliche Spuren hinterlässt. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Publikation hätte ich die Kontroverse auch versachlichen und präzisieren müssen. Damit wäre sie für Massenmedien zu kompliziert und uninteressant geworden.

Spiegel, Focus, FAZ, Süddeutsche Zeitung, Die Welt - alle Leitmedien haben Ihre Unterstellungen gegenüber Prof. Willich und der Berliner Charité jedoch ignoriert, obwohl sie so einfach, plakativ und „mediengerecht“ waren. Man denke nur an Ihre geschickte Wortwahl: „Kniefall vor der alternativmedizinischen Lobby “.

Amardeo Sarma: Ja, das finde ich auch sehr unbefriedigend. Das mit dem „Kniefall“ kann ich belegen.

Na dann mal raus mit der Sprache. Wer passt wissenschaftliche Methoden wie genau an? Wer fällt auf die Knie?

Amardeo Sarma: Professor Willich äußerte sich schon 2006 im Deutschen Ärzteblatt dahingehend, dass er randomisierte kontrollierte Studien nicht mehr als ausschließliches Kriterium für die Beurteilung der Wirksamkeit neuer Therapieverfahren nutzen will. Er fordert stattdessen „pragmatische Ansätze“. Das heißt mit anderen Worten: Willich will die hohen wissenschaftlichen RCT-Standards verlassen und durch minderwertige Studientypen - so genannte pragmatic trials (3) - nivellieren.

Das ist Ihre Interpretation. Haben Sie Herrn Willich im Vorfeld Ihrer Pressemeldung die Gelegenheit gegeben, seine Sichtweise deutlich zu machen? Haben Sie Interesse an einem sachlichen, konstruktiven und respektvollen Dialog mit Herrn Willich?

Amardeo Sarma: Worüber soll man hier einen Dialog führen. Die RCT-Kritik von Willich ist doch offensichtlich und skandalös.

Das ist erneut Ihre Interpretation. Gegenstand eines sachlichen und konstruktiven Dialogs mit Herrn Willich könnte es sein, seine Perspektive in respektvoller Weise und ohne persönliche Angriffe zu diskutieren.

Amardeo Sarma: Tut mir leid. Daran habe ich kein Interesse. Mit Menschen, die wissenschaftliche Methoden solange den Bedürfnissen der Alternativmedizin anpassen, bis sie die Resultate erzielen, die sich die Vertreter der Komplementärmedizin wünschen, führe ich keinen Dialog.

Aber wenn Sie keinen Dialog führen, dann können Sie auch nicht erfahren, ob Sie sich vielleicht fundamental irren.

Amardeo Sarma: Die GWUP verfügt über 870 Wissenschaftler und wissenschaftlich Interessierte. Wir irren uns nicht.

Auf dem Gebiet der medizinischen Forschung haben Sie keinen einzigen Wissenschaftler (4). Ihre Interpretation der Aussagen von Prof. Willich ist darüber hinaus falsch und geradezu haarsträubend. Willich weist im Deutschen Ärzteblatt (5) darauf hin, dass RCTs gravierende Schwachstellen haben, zu selbst verursachten Verzerrungen der Ergebnisse führen und daher durch Versorgungsstudien ergänzt werden müssen.

Amardeo Sarma: Prof. Edzard Ernst hat mir das anders erklärt.

Warum haben Sie so große Angst davor, sich mit Stefan Willich fachlich auszutauschen?

Amardeo Sarma: Stefan Willich ist ein gefährlicher Pseudoforscher, der wissenschaftliche Methoden solange den Bedürfnissen der Alternativmedizin anpasst, bis sie die Resultate erzielen, die sich die Vertreter der Komplementärmedizin wünschen.

Wenn Sie einem Dialog mit Willich ausweichen, dann werden Sie nie erfahren, ob Sie sich irren. Willich ist Versorgungsforscher und seine Ansichten stehen zu 100% im Einklang mit dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (6).

Amardeo Sarma: Was Sie darüber denken, interessiert mich nicht.

Warum behaupten Sie, dass Parapsychologen und Alternativmediziner neue Regeln fordern? RCTs werden von Versorgungsforschern kritisiert und Parapsychologen haben mit diesem Thema überhaupt nichts zu tun.

Amardeo Sarma: Das ist mir auch klar. Im Mediengeschäft hat es jedoch Vorteile, wenn wir einen Versorgungsforscher wie Prof. Stefan Willich sprachlich in Verbindung mit dem hässlichen Begriff „Parapsychologie“ bringen. Das umgibt ihn mit einer Aura des Unseriösen.

Sie meinen, auch wenn es vollkommen unangebracht ist, ... etwas Dreck bleibt hängen?

Amardeo Sarma: Das haben Sie gesagt (schmunzelt).

Herr Sarma, vielen Dank für dieses interessante Gespräch.

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Wichtige Anmerkung: Dieses Interview hat so nie stattgefunden und ist als Satire zu verstehen. Alle Antworten sind fiktiv und stammen nicht von GWUP-Vorstand Amardeo Sarma.

Das H.Blog ging übrigens am 8. Mai 2009 auf die Hintergründe der Causa Sarma/Willich ein: „Amardeo Sarma, Homöopathie und randomisierte kontrollierte Studien (RCT)“

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